«Immer wieder sonntags kommt die Erinnerung» sang eines der erfolgreichsten deutschen Schlager Duetts: Cindy und Bert. Die meisten Gottesdienste finden am Sonntag statt. Sonntags kommt die Erinnerung, das ist ein Ziel in den meisten Predigten. Sich daran erinnern, was Christen früher mit Gott erlebt haben und auf Weisungen schauen, die Gott uns Menschen allgemein mitgegeben hat. Erinnerungen sind wie ein Refresh. Und zeigen auf, wie es andere gemacht haben.

Gottesdienst: Schrittweise Geschichte und Überzeugungen ins Heute übertragen
Gottesdienst: Schrittweise Geschichte und Überzeugungen ins Heute übertragen

Erinnerungen sind Geschichte

Ist das, was geschehen ist, nur «Geschichte» oder kann man daraus etwas für die Gegenwart und die Zukunft lernen? Ist es gut, schwere Erlebnisse, wie zum Beispiel einen Krieg, zu vergessen oder kann man daraus etwas lernen? Und sei es nur die Tatsache, dass durch das latente Bewusstsein der Vergangenheit Wiederholungen verhindert werden können und zukünftige Geschichte anders geschrieben wird? Auch die Bibel spricht von Krieg. Von Vernichtung. Sie bildet das Leben ab. Mit all seinen verständlichen und unverständlichen Ereignissen. Mit all den Menschen, die Leben gefördert und Leben vernichtet haben. Mit einem nahen oder gefühlt fernen Gott. Verstehen gelingt nicht immer. Manchmal brauchen wir auch einfach mehr Zeit. Manchmal gelingt es uns nie.

Geschichte im Gottesdienst

«Die einzige Pflicht, die wir der Geschichte gegenüber haben, ist, sie umzuschreiben» dieses Zitat stammt vom irischen Autor Oscar Wilde. Geschichte umschreiben können wir, wenn wir aus ihr lernen. Sie so gut wie möglich analysieren versuchen. Ihrer Zeitepoche zuordnen und sie ins Heute, in unsere Kultur übersetzen – zumindest das, was sich übersetzen lässt. Im Fall der Bibel wird dies via Predigten gemacht. Was damals war. Wie es heute verstanden werden könnte. Eine Predigt ist wie ein Konverter. In der Informatik beispielsweise ist ein Konverter ein Programm, das Daten aus einem Format in ein anderes umwandelt. Auch Programmiersprachen müssen einander gegenseitig verstehen. Gottesdienst, bzw. die Predigt, ist alte Botschaft – erforscht und aktualisiert. Verständlich gemacht.

Überzeugung ist entscheidend

Der britische Sänger, Songwriter, Komponist und ehemaliger Kopf der Beatles, Paul McCartney, sagte zum Tod des englischen Rock- und Blues-Sängers Joe Cocker, er, McCartney, werde Cocker ewig dafür dankbar sein, dass dieser den Beatles-Song «With A Little Help From My Friends» zu einer «Soul-Hymne» gemacht habe. (© Tagesanzeiger.ch – «Ich werde Joe ewig dankbar sein»). Nicht immer wird die Kopie besser als das Original. Es ist eine Frage des Erlebens. Daraus erst erfolgt die Nähe zum Text. Cocker wusste, wovon er sang. Wer eine solche Karriere voller Höhepunkte, Erfolge und Skandale erlebt hat, weiss, es geht nicht ohne «Help From My Friends» … Als Cocker den Song 1969 am Woodstock-Festvial zum ersten Mal sang, «krächzte und schrie er dem Publikum seine Gefühle entgegen» (© Focus.de, «Joe Cocker – Sein Werdegang, sein Leben, seine Skandale» – 23.12.2014). Dieser Moment, diese gelebte Überzeugung, brachte ihm den internationalen Durchbruch.

Was ist Überzeugung?

Muss ein Prediger erst in eine Wand fahren, damit er weiss, wie es sich anfühlt, mit gebrochenen Knochen im Spital zu liegen? Natürlich nicht. Aber über Dinge sprechen, die er selbst erlebt hat und worin er sich gut auskennt. Dies gibt dem Inhalt wesentlich mehr Nähe als beispielsweise etwas Angelesenes. Es ist das Geheimnis von Glaubwürdigkeit. Nichts ist so schwierig zu vermitteln, wie Dinge, zu denen wir keinen Bezug haben. Darum mitten im Leben stehen. Menschen und ihre Geschichten, ihre Fragen spüren! Den Puls der Zeit suchen. Was Christen mit Gott erleben, ist nichts anderes als das, was uns die Bibel vermittelt. Erleben. Mitten drin, im Heute. Ohne diese Voraussetzung wird eine ehemals lebendige zur verstaubten Botschaft …

Weiterführende Tipps:

Radio Life Channel: Gottesdienste und Predigten im Radio