In meiner Tageszeitung fällt mir ein Kommentar auf. Eine Journalistin beschreibt, wie sie sich auf das alljährliche Osterfest vorbereiten, beziehungsweise das traditionelle Familienfest planen will. Eigentlich ist sie motiviert, wäre da nicht dieser Kulturschock in den Shoppingcentern – schon bald anfangs Jahr. Noch bevor Ostern überhaupt wirklich bevorsteht, ist einem aufgrund der frühzeitigen Über-Kommerzialisierung die Lust darauf bereits vergangen. So das Fazit der Journalistin. Damit steht sie vermutlich nicht alleine da.

Hintergründe: Unterdrückung, Hoffnung, Glaube

Karfreitag wird auch «Stiller» oder «Hoher» Freitag genannt. An diesem Tag wurde Jesus Christus gekreuzigt. So steht es in der Bibel, so wurde es über Generationen hinweg überliefert. Kreuzigung: Dieser öffentlichen Demütigung ging eine lange Geschichte voller Emotionen voraus. Das in einer Kultur und Zeit, die von der römischen Herrschaft geprägt wurde und von einem Volk, das seit Jahrhunderten auf einen bald kommenden Erlöser wartete. Unterdrückung, Hoffnung, Glaube sind Wörter, die mir in diesem Zusammenhang in den Sinn kommen.

Den Sinn von Karfreitag und Ostern, von sterben und auferstehen, verstehen können
Den Sinn von Karfreitag und Ostern, von sterben und auferstehen, verstehen können

Und der Sinn des Ganzen?

Laut biblischem Bericht ist Christus «für unsere Sünden gestorben», eine Aussage, die für die meisten von uns wohl schwer nachvollziehbar und vor allem nicht vorstellbar ist. Durch diese Tat von Christus, schreibt die Bibel, wird eine Verbindung von Mensch zu Gott ermöglicht. Eine Verbindung zwischen Vergänglichkeit und Unvergänglichkeit,  zwischen greifbar und ungreifbar. Christus als Schlüssel zu einer Beziehung zu Gott. Ich sehe diesen Schlüssel als Anfang, den wir wählen und als einen Weg, den wir gehen können – oder wir leben im bisherigen Stil weiter. Wirkliche Liebe drängt sich nicht auf.

Und Ostern?

Das Grab ist leer – von Christus keine Spur. Auferstehung: Ostern und Karfreitag fordern uns schon einiges an Glauben ab. Weltfremd, dieser Begriff fällt mir hier spontan ein. Im Sinn von: Nicht so, wie wir denken. Nicht das, was wir uns vorstellen oder was wir täglich erleben. Gefühlt weit weg von der Realität und irgendwie doch so nahe. Auf jeden Fall liegt uns teilweise einiges daran, die Gedanken an Gott zu verdrängen. Wenn sie uns zu nahe kommen.

Und der Sinn des Ganzen? Sinn macht das irgendwie nicht. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Ohne Sinn sind diese christlichen Feiertage mit ihrer Geschichte in der heutigen Zeit nicht einzuordnen. Und der zweite Blick?

Familie – unbegrenzt «haltbar»

Zurück zu unserer Journalistin. Ostern hat für die meisten von uns mit einem Familienfest zu tun. Eltern, Kinder, Verwandte, man trifft sich, gutes Essen und vieles mehr. Vielleicht müssen wir dieses Bild nehmen, um Gott, Karfreitag und Ostern einzuordnen. Zurück zum Anfang, zu Weihnachten. Ich erinnere mich an den nachfolgenden TV-Spot einer deutschen Einzelhandels-Verkaufsgruppe zum Thema #heimkommen.

Der Spot zeigt einen Grossvater, dem nach und nach alle Kinder für das Weihnachtsfest absagen. Er sieht zu, wie in seiner Nachbarschaft andere Familien gemeinsam feiern, während er alleine ist. Da greift er zu einer aussergewöhnlichen Massnahme: Er schickt allen Kindern eine Todesanzeige von sich selbst. Der Film zeigt sehr ergreifend die Betroffenheit der beteiligten Personen auf. Als schliesslich alle im Hause des Grossvaters eintreffen, steht er vor ihnen. Lebendig und «von den Toten auferstanden». Auf die fragenden Blicke der Familienmitglieder sagt er verlegen: «Wie hätte ich euch denn sonst alle zusammenbringen sollen?» (Hier können Sie dieses eindrückliche Video ansehen: YouTube.com #heimkommen)

«Wie hätte ich euch denn sonst alle zusammenbringen sollen?»

Gemeinschaft. Austausch. Leben teilen. Das ist Familie. Eine Familie gibt es auch bei Gott.

Offenbar muss manchmal jemand «sterben und auferstehen», damit wir wieder zusammenfinden.

Mehr über Ostern und Karfreitag finden Sie unter anderem auf: